Ein altes Kleidungsstück mit modernen Folgen
Hochhackige Schuhe haben eine lange kulturelle Geschichte und gelten in vielen gesellschaftlichen Kontexten als Zeichen von Eleganz und Stil. Doch was bedeutet regelmäßiges Tragen von Absätzen für den Körper? Die Sportwissenschaft und Orthopädie haben in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Erkenntnisse gesammelt, die ein differenziertes Bild zeichnen.
Biomechanische Veränderungen durch erhöhte Absätze
Bereits ein Absatz von drei bis vier Zentimetern verändert die gesamte Körperstatik merklich. Das Körpergewicht verlagert sich nach vorne auf den Vorfuß, wodurch die Druckbelastung im Bereich der Mittelfußköpfchen stark ansteigt. Gleichzeitig verändert sich die Haltung der Wirbelsäule: Das Becken kippt nach vorne, die Lendenwirbelsäule gerät in eine Hohlkreuzhaltung, und die Rückenmuskulatur muss kompensierend arbeiten.
Konkrete Auswirkungen auf den Bewegungsapparat
Studien zeigen, dass häufiges Tragen von Absätzen mit einer Reihe von Beschwerden assoziiert wird:
- Verkürzung der Wadenmuskulatur: Die Achillessehne passt sich der erhöhten Position an, was zu Spannungsgefühlen beim Barfußlaufen führt.
- Erhöhtes Kniegelenksrisiko: Die veränderte Gangmechanik erhöht die Belastung auf das innere Kniekompartiment.
- Vorfußprobleme: Mortons Neurom, Metatarsalgie und Hammerzehen treten häufiger bei Personen auf, die regelmäßig hohe Absätze tragen.
- Rückenschmerzen: Die kompensatorische Hohlkreuzhaltung belastet die lumbale Wirbelsäule dauerhaft.
Die Frage ist nicht ob, sondern wie oft und wie hoch. Gelegentliches Tragen von Absätzen hat ein anderes Risikoprofil als tägliche Nutzung über viele Stunden.
Ab welcher Absatzhöhe beginnen die Probleme?
Es gibt keine universelle Grenze, da individuelle Faktoren wie Fußform, Gangbild und Muskelkraft eine Rolle spielen. Als allgemeine Orientierung gilt in der orthopädischen Praxis jedoch: Ein Absatz bis zu zwei Zentimetern ist für die meisten Erwachsenen unbedenklich. Zwischen drei und fünf Zentimetern steigt die Belastung merklich, und Absätze über sieben Zentimeter sollten nur gelegentlich und für begrenzte Zeiträume getragen werden.
Was hilft, Folgeschäden zu reduzieren?
Wer nicht auf hohe Absätze verzichten möchte, kann das Risiko mit einigen Maßnahmen verringern:
- Regelmäßige Dehnübungen für Wade und Achillessehne
- Kräftigungsübungen für die Fußmuskulatur
- Konsequentes Abwechseln zwischen verschiedenen Absatzhöhen im Alltag
- Auswahl von Modellen mit breiterem Absatzauftritt für mehr Stabilität
Ein informierter Umgang mit dem eigenen Schuhwerk ist letztlich die wirksamste Schutzmaßnahme.